Beliebte Zuckerersatzstoffe können geistigen Abbau beschleunigen

Eine kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Studie mit dem Titel „Association Between Consumption of Low- and No-Calorie Artificial Sweeteners and Cognitive Decline — An 8-Year Prospective Study“ hat untersucht, wie sich der Konsum künstlicher Süßstoffe auf den kognitiven Rückgang auswirken könnte. Die Studie wurde am 3. September 2025 veröffentlicht (DOI: 10.1212/WNL.0000000000214023) und zählt zu den länger laufenden Untersuchungen dieser Art. Damit rückt das Thema näher in den Fokus, weil kalorienarme Zuckerersatzstoffe immer häufiger als vermeintlich gesündere Alternative zu Zucker genutzt werden.
So lief die studie
Die Forschung wurde über rund acht Jahre in Brasilien durchgeführt und umfasste 12.772 Erwachsene aus verschiedenen Altersgruppen. Zum Studienbeginn lag das Durchschnittsalter bei 52 Jahren. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen aufgeteilt, je nachdem, wie viel künstliche Süßstoffe sie zu sich nahmen: niedrigste, mittlere und höchste Konsumgruppe. Detaillierte Ernährungsfragebögen erfassten die Essgewohnheiten, darunter die Aufnahme von Süßstoffen wie Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythritol, Xylitol, Sorbitol und Tagatose.
In regelmäßigen Abständen führten die Forschenden kognitive Tests durch, die Bereiche wie verbale Flüssigkeit, Arbeitsgedächtnis, Erinnerungsfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit abdeckten. Dabei wurde besonders darauf geachtet, Einflussfaktoren zu korrigieren, die die kognitive Leistung verändern können, etwa Alter, Geschlecht, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was herauskam und wie das alter eine rolle spielt
Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Teilnehmende mit dem höchsten Süßstoffkonsum zeigten einen 62 % schnelleren kognitiven Rückgang im Vergleich zur Gruppe mit dem niedrigsten Konsum — das entspricht etwa einem zusätzlichen kognitiven Altern von 1,6 Jahren. Die mittlere Konsumgruppe wies ebenfalls einen schnelleren Rückgang auf, und zwar um 35 %.
Interessanterweise gab es Unterschiede nach Alter: Bei älteren Teilnehmenden, speziell ab 60 Jahren, fand sich keine signifikante Verbindung zwischen Süßstoffkonsum und kognitivem Abbau. Dagegen zeigten jüngere Erwachsene deutliche Muster eines beschleunigten kognitiven Rückgangs.
Dr. Claudia Kimie Suemoto von der Universität São Paulo betonte: „Kalorienarme und kalorienfreie Süßstoffe werden oft als gesunde Alternative zu Zucker angesehen; unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe im Laufe der Zeit negative Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben können.“
Genauer hingeschaut
Bei Teilnehmenden mit Diabetes war der Zusammenhang zwischen Süßstoffaufnahme und kognitivem Abbau besonders ausgeprägt. Dr. Suemoto wies darauf hin: „Während wir Verbindungen zwischen Süßstoffkonsum und kognitivem Abbau bei mittelalten Menschen sowohl mit als auch ohne Diabetes fanden, verwenden Menschen mit Diabetes künstliche Süßstoffe eher als Zuckeralternativen.“
Die Analysen der einzelnen Süßstoffe ergaben außerdem, dass alle untersuchten Süßstoffe mit einem schnelleren Rückgang der Gedächtnisfunktionen verbunden waren — mit Ausnahme von Tagatose. Das legt nahe, dass nicht alle Süßstoffe gleich zu bewerten sind und eine Differenzierung bei der Einschätzung möglicher Gesundheitsrisiken sinnvoll ist.
Forschung und ausblick
Die Studie weist darauf hin, dass künstliche Süßstoffe das Potenzial haben könnten, die Gehirngesundheit über die Zeit negativ zu beeinflussen, geht aber vorsichtig mit kausalen Aussagen um. Das Autorenteam empfiehlt weitere Untersuchungen, um die Ergebnisse zu bestätigen und außerdem mögliche Vorteile anderer natürlicher Zuckeralternativen wie Apfelmus, Honig, Ahornsirup und Kokoszucker zu prüfen.
Die Ergebnisse liefern einen klaren Hinweis, dass man künstliche Süßstoffe bewusster nutzen sollte. Die Bequemlichkeit und der kalorienfreie Charakter dieser Produkte sind verlockend, doch könnten sie langfristig tiefere, nicht sofort sichtbare Folgen für die Gesundheit haben, die man bedenken sollte.