Neue Zahnpasta bekämpft Zahnfleischentzündung, ohne nützliche Bakterien zu schädigen

Neuer Weg gegen Parodontitis: Innovationen aus Deutschland
Neuer Weg gegen Parodontitis: Innovationen aus Deutschland

Mundgesundheit wird oft unterschätzt, obwohl sie zur allgemeinen Gesundheit gehört. Eine deutsche Initiative könnte jetzt verändern, wie wir Parodontitis angehen, und dabei das empfindliche Gleichgewicht des oralen Mikrobioms bewahren.

Die Deutschen sind für technische Neuerungen bekannt, und diesmal dreht sich alles um Zahnmedizin. Ein Teamprojekt in Halle könnte neue Maßstäbe setzen. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI und des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS arbeiten gemeinsam mit dem Spin-off-Unternehmen PerioTrap Pharmaceuticals GmbH, gegründet im Jahr 2018, an einer mikrobiomfreundlichen Zahnpasta. Sie soll Parodontitis vorbeugen, ohne das Gleichgewicht der oralen Mikroorganismen zu stören.

Warum das Mundmikrobiom wichtig ist

Der menschliche Mund beherbergt über 700 bakterielle Spezies, doch nur ein kleiner Teil ist für Parodontitis verantwortlich. Schädliche Bakterien sammeln sich im Zahnbelag, besonders am Zahnfleischrand, und können Gingivitis (eine Zahnfleischentzündung) auslösen. Bleibt die Gingivitis chronisch, kann sie in Parodontitis übergehen und zu Zahnfleischrückgang und Zahnverlust führen.

Interessanterweise stehen krankheitsverursachende Bakterien, wenn sie in den Blutkreislauf gelangen, in Verbindung mit verschiedenen systemischen Erkrankungen. Dazu gehören Diabetes, rheumatische Erkrankungen, Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und sogar die Alzheimer-Krankheit.

Was bei herkömmlichen Mundpflegeprodukten schiefläuft

Hersteller haben ein doppeltes Problem: Pathogene müssen effektiv bekämpft werden, ohne nützliche Mikroorganismen zu eliminieren. Aktuelle Produkte erfüllen das oft nicht. Alkoholhaltige Mundspülungen oder Präparate mit Chlorhexidin töten sowohl schädliche als auch nützliche Bakterien. Beim Wiederaufbau des Mikrobioms erholen sich Krankheitserreger wie Porphyromonas gingivalis häufig schneller; das erhöht das Rückfallrisiko.

Gezielte Wirkstoffe: ein neuer Ansatz

Ein vielversprechender Fortschritt ist ein neuer Wirkstoff namens Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetate. Er greift gezielt Krankheitserreger an, indem er ihr Wachstum hemmt, statt sie abzutöten. Dadurch können nützliche Bakterien Nischen besetzen und ein stabiles mikrobielles Gleichgewicht wiederherstellen. Stephan Schilling, Leiter der Fraunhofer IZI-Niederlassung, sagt dazu: „Anstatt Gingivitis-Erreger einfach zu töten, hemmt es deren Wachstum. Auf diese Weise arbeitet die Substanz im Einklang mit gesunden Bakterien, um das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft wieder aufzubauen und zu stabilisieren.“

Qualität und Marktentwicklung

Die Entwicklung der Zahnpasta und weiterer Produkte läuft nach strengen Good Laboratory Practice (GLP)-Standards, sodass die Ergebnisse von nationalen und internationalen Behörden anerkannt werden. Nach Mirko Buchholz, einem der Gründer von PerioTrap, enthält das Produkt abrasive Stoffe und Fluorid zur Kariesprävention und weist keine toxischen Wirkungen auf. Andreas Kiesow vom Fraunhofer IMWS ergänzt, dass Forschungsmethoden wie Rasterelektronenmikroskopie und chemische Charakterisierung dabei helfen, die Formulierungen zu verfeinern.

Neben der Zahnpasta ist ein Pflegegel in Arbeit, das nach der professionellen Zahnreinigung eingesetzt werden soll, sowie weitere Mundpflegeanwendungen. Auch der Veterinärbereich zeigt Interesse, da Parodontitis bei Tieren ähnliche biologische Mechanismen wie beim Menschen aufweist.

Solche Innovationen zeigen, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit und hohe Qualitätsstandards die Basis für zukunftsweisende Entwicklungen in der Gesundheitsbranche bilden. Sie laden zum Nachdenken ein und machen klar, dass moderne Forschung die Mundpflege bald deutlich verändern könnte, mit Effekten nicht nur für den deutschen, sondern auch für den internationalen Markt.